Kunstaktien – für Viele gedacht, von Wenigen eingeheimst

Im Zuge des Versuches der Umwandlung der Uferhallen AG wurden die Aktien der Gesellschaft verbrieft. Die bisher nur virtuellen Aktien konnten auf 34×48 cm 300g Büttenpapier realisiert werden. Einen maßgeblichen Anteil daran hatten die ortsansässigen und freundschaftlich verbundene Künstler, die jeweils 25 Aktien gestalteten. So entstanden die Kunstaktien, die ihren neuen Eigentümern die Teilhabe an einem besonderen Ort der Künste ermöglichen sollten.

Leider konnte die mit der Kunstaktie verbundene Idee der Umwandlung in eine Publikumsgesellschaft nicht realisiert werden. Geradezu ärgerlich ist, dass die über 3200 liebevoll hergestellten Kunstaktien nicht die Räumlichkeiten von vielen Kleinaktionären schmücken, sondern in den Tresoren von wenigen Großaktionären eingelagert wurden.

Die zerfallene Idee einer Publikumsgesellschaft

Die Vision der Initiatoren, den ehemaligen BVG-Zentralwerkstätten eine Zukunft als Discounterareal zu ersparen und stattdessen ein Kunst- und Kulturzentrum zu entwickeln, hat sich erfüllt. Nun hatte einer der Gründungsaktionäre die Idee die Uferhallen AG in eine Publikumsgesellschaft zu verwandeln und über diese partizipative Möglichkeit diesen Standort der Künste in der berliner Bürgerschaft zu verankern.
Warum Publikumsgesellschaft?
Eine Publikumsgesellschaft ist eine Gesellschaft, deren Geschäftsanteile breit gestreut sind. Damit gehen die Belange der Gesellschaft und somit das, was mit den Uferhallen geschieht, Viele an. Gleichzeitig war die Uferhallen Kunstaktie ein experimenteller Versuch dafür, wie mit bürgerschaftlichem Engagement bezahlbare Räume für zeitgenössische Kunstproduktion und Kunstpräsentation dauerhaft bereitgestellt werden können.
Rückblickend muss man feststellen, dass die Idee der Umwandlung in eine Publikumsgesellschaft nicht von allen Gründungsaktionären unterstützt wurde. Eher das Gegenteil war der Fall. Der Gründungsaktionär, der einst die Idee hatte das Geländer der Uferhallen von der BVG käuflich zu erwerben und maßgeblich für die Idee der Kunstaktie/Publikumsgesellschaft verantwortlich war, hat seine Anteile verkauft und sich aus dem Projekt zurückgezogen.

Die Uferhallen

Die Uferhallen Aktiengesellschaft wurde 2007 gegründet und erwarb zum Jahreswechsel 2007/2008 das 38.000 Quadratmeter große Areal beidseitig der Uferstrasse im Wedding. Innerhalb von zwei Jahren entstand in den ehemaligen Zentralwerkstätten der BVG ein wirtschaftlich tragfähiger Produktions- und Präsentationsort für zeitgenössische Kunst in privater Trägerschaft.
Mit den Uferstudios entstand hier ein bedeutender Proben- und Auftrittsort für zeitgenössischen Tanz. Internationale Kompanien und Einzelkünstler arbeiten hier ebenso wie das Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz mit seinen drei Master- und Bachelorstudiengängen.
Auf der anderen Seite der Uferstrasse entstanden in den denkmalgeschützen Gebäudeensembles die Ateliers von 70 Künstlern von teils internationalem Rang, eine Kunstausstellungshalle mit 2500 qm und die Spielstätte des Pianosalon Christophori, der fast wöchentlich renommierte Klassikmusiker in seinen rauen Werkstattambiente auftreten lässt. Eine Gastronomie im ehemaligen Pförtnerhäuschen sorgt für das leibliche Wohl der Künstler und ihrer Gäste.